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News phil corPhilippinen: Schiessbefehl

Die Ausgangssperre inklusive Schiessbefehl drängt die Menschen in Slums an den Existenzrand.

Letztes Jahr lebten laut Angaben der Weltbank auf den Philippinen mindestens 20% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Die Situation wurde nun durch drastische, zum Teil weit überzogene Massnahmen zur Bekämpfung von COVID-19 verschlimmert: Präsident Duterte verabschiedete eine Ausgangsperre inklusive Schiessbefehl. Jeder „Unruhestifter“ könne und – so vermuten einige – solle einfach erschossen werden. Dieser Befehl kam, nachdem sich Slumbewohner zu einem Protest an einer öffentlichen Strasse getroffen hatten. Seit dem Lockdown, also seit Wochen, hatten sie keinerlei Hilfs- und Versorgungsgüter erhalten.

Slum von Tondo Manila
Zielgruppe unserer Projekte auf den Philippinen sind die Bewohner in dem Slumgebiet von Tondo Manila. Dort leben die Menschen von der Hand in den Mund. Wie überall auf der Welt bedeutet die Ausgangssperre für die Tagelöhner eigentlich nur eines: Hungertod. Zu dem Versorgungsproblem kommt die katastrophale hygienische Lage. Wasser gibt es nur rationiert – zwei Mal pro Woche. Kaum jemand wird dieses kostbare Nass zum Waschen verschwenden, sondern zum Trinken nutzen. Und soziale Distanz in Tondo, einem der am dichtesten besiedelten Orte der Erde mit über 65 000 (!) Menschen pro Quadratkilometer, klingt wie ein Witz. Da das Gesundheitssystem nur für die Reichen ausgelegt ist, ist ein ernster Verlauf der Infektion für viele leider ein sicheres Todesurteil.

Überlebenshilfe
Aufgrund dieser problematischen humanitären Lage haben wir neben unseren regulären Aktivitäten ein zusätzliches Hilfsprojekt begonnen. Unser Mitarbeiter und seine Hilfsorganisation vor Ort kaufen Reis und weitere Lebensmittel ein. 80 Familien in Tondo, die direkt auf der Müllhalde leben, sowie weitere 300 bedürftige Familien aus dem weiteren Projektumfeld, die wegen des Lockdowns keine Verdienstmöglichkeiten mehr haben, werden so versorgt. In Tondo und Umgebung gehören zu einer Familie im Schnitt fünf bis zehn Personen.
Was aus der Entfernung wie ein Tropfen auf den heissen Stein aussieht, sichert vor Ort das Überleben vieler.