aktuell news head de

Sibirien Report 1 2020Indien: Von Gott gezähmt

Während an anderen Orten Indiens Intoleranz und Christenverfolgung dramatisch zunehmen, herrscht unter den ehemaligen Kopfjäger-Stämmen in der Grenzregion zwischen Indien und Myanmar Frieden.

Unser Projekt ist in Longwa, abseits, hoch oben auf einer Bergkuppe, auf der Grenze zwischen Nordostindien und Myanmar.

1. April 2010
Ich geriet mitten in das alljährliche Dorffest, filmte grimmige Gestalten mit tätowierten Gesichtern und kriegerischem Outfit. Es fiel mir leicht, zu glauben, dass sie zur Zunft der Kopfjäger gehörten.

Dann wurde feierlich die neue AVC-Schule eingeweiht. Die Dorfprominenz inklusive Dorfkönig war anwesend. Kriegstänze wurden aufgeführt, Flinten krachten, nebelten das Geschehen in Pulverdampf ein. Dies, obwohl der Name der Schule Programm ist: Shalom School.

Etwa die Hälfte unserer Schulkinder stammt aus den Bergen von Myanmar. Ihre Familien leben unter ständiger Bedrohung durch Regierungssoldaten und Rebellen, werden gejagt, missbraucht und zu Fronarbeit gezwungen. Unsere Vision: Pro Dorf soll je ein Kind eine Schulbildung erhalten, mit dem Abc und christlichem Feuer nach Hause zurückkehren und beides an die gesamte Dorfgemeinschaft weitergeben.

1. April 2020

EL, unser neuer Länderverantwortlicher, kommt von seinem Besuch in Longwa zurück. Mich interessiert, was inzwischen aus der Schule und den Kindern geworden ist.

Wie hast du die Schule vorgefunden?

EL: Das urspüngliche Gebäude steht noch und wird rege genutzt. Doch die Schule wurde vergrössert, denn heute werden bereits über 180 Kinder aus armen Familien unterrichtet. 51 von ihnen, aus abgelegenen Gebieten in Myanmar kommend, sind im Internat untergebracht. Kinder der ersten Generation unserer Grundschule haben weiterführende Schulen besucht und/oder eine Ausbildung gemacht. Die Schule wird jetzt bis zur 8. Klasse erweitert und braucht weitere Klassenzimmer. Die billigste und schnellste Variante ist der Bau aus Bambus. Dennoch ist ein gutes Fundament für die Sicherheit sehr wichtig, weil der Berg an manchen Stellen abrutscht. Ein indischer Bauunternehmer hatte für einen Strassenbauauftrag in Myanmar alle Maschinen nach Longwa gebracht, die Grenze jedoch erst nach der Fürsprache unserer Schulleitung beim zuständigen Militärchef passieren dürfen. Unsere Shalom Schule wird hier selbst vom Militär respektiert. Zum Dank fuhr der Bauunternehmer seinen Bagger auf und präparierte uns kostenlos die Fundamente für die neuen Klassenzimmer.

Wie schlägt sich das Lehrerteam?

EL: Es ist sehr motiviert. Inzwischen wurde auch ein Lehrerhaus errichtet, in dem die auswärtigen Lehrer logieren. Der Schulleiter legt eben Wert auf einen guten Mix von Lehrkräften aus dem lokalen Konyak-Stamm und solchen, die in einer Grossstadt ausgebildet wurden. Diese ortsfremden Lehrer sind gut ausgebildete Fachkräfte und Missionare, die von ihren Gemeinden ausgesandt und finanziell und mit Gebet begleitet werden.

Gibt es Auswirkungen über den Bildungssektor hinaus?

EL: Das Dorf hat sich total verändert. Die indische Regierung ist stolz darauf, dass die Konyak ihre kämpferischen Gepflogenheiten hinter sich gelassen haben und heute friedlich miteinander und den umliegenden Stämmen koexistieren. Und die älteren Männer – die ehemaligen Kopfjäger – sind stolz darauf, jetzt mit Jesus unterwegs zu sein. Das ist natürlich nicht (nur) der Schule geschuldet. Ein erwecklicher Aufbruch, durch den Grossvater unseres lokalen Projektleiters ausgelöst, hatte bewirkt, dass das gesamte Stammesleben auf den Kopf gestellt und Kopfjäger gezähmt wurden.

Was machen die Kids nach der Schule?

EL: Viele ziehen in Städte, um eine weiterführende Ausbildung zu erhalten. Manche kehren danach zurück, andere bleiben, erhalten gute Arbeitsstellen und unterstützen ihre Familien finanziell. Der Besuch weiterführender Schulen in den Städten ist nur möglich, weil sie in christliche Familien vermittelt werden und dort fast oder ganz umsonst wohnen können, Familienanschluss und ein geistliches Zuhause haben.

Stellst du uns ein paar der Kinder vor?

EL: Gerne, zum Beispiel …

Ngongam. Sie ist Halbwaise aus Longkai Village, Myanmar. Ihre Mutter musste sie aus der Dorfschule nehmen, weil es nach dem Tod von Ngongams Vater an Geld fehlte. Dank einer Patenschaft ist sie jetzt an unserer Schule. Das aufgeweckte Mädchen will zunächst Lehrerin, später Missionarin werden, um ihrem Heimatdorf zu dienen.

Anok aus Phomchin, Myanmar ist begeistert: »Ich bin seit 2016 an dieser Schule. Mir gefällt, dass wir so viel singen, Bibelstellen lernen und Englisch lernen. Die Lehrer sind sehr freundlich, helfen uns auch durch schwierige Zeiten. Ich bin den Leuten dankbar, die für mich und meine Mitschüler die Schulbücher, Schuluniformen und andere Kleider bezahlen. Ich bin sehr glücklich, Teil dieser Familie zu sein. Später möchte ich einmal Pastor werden.«

Amo stammt aus Lakho Village in Myanmar; aus ärmlichen bäuerlichen Verhältnissen. Ihre Eltern können sich die Schule nur für ihren ältesten Bruder leisten, als Jüngste hätte Amo keine Chance auf Bildung gehabt. Sie erweist sich hier in Longwa als starke Persönlichkeit und ist sehr intelligent. Sie hofft, als Lehrerin zurückkehren zu können.

Danke, EL. Dein Einsatz lohnt sich! Diese Kinder werden ihre Gesellschaft positiv prägen – in Indien und in Myanmar.

Hier geht’s zum Filmbeitrag mit spannenden Eindrücken von den ehemaligen Kopfjägern.